Die Silhouette von Greifswald, wie sie Friedrich gesehen
hat, kann man auch heute noch im wesentlichen nahezu unverändert
betrachten, denn die Stadt hat sich seitdem kaum in
nördliche und westliche Richtung ausgedehnt. Dieser
Blick von Norden und Westen auf die historische Innenstadt ist sogar
denkmalgeschützt und heißt
.
Jeder, der von Grimmen oder Stralsund anreist, sieht aus der Ferne die historischen Konturen Greifswalds
und wird sogleich - bewusst oder unbewusst - mit einem Kapitel
Kunstgeschichte konfrontiert.
Leider ist das Haus Lange Straße 57, in
dem Caspar David Friedrich geboren wurde, 1901 abgebrannt. Heute
erinnert nur noch eine Gedenktafel am backsteinsichtigen
Nachfolgebau, dass hier Greifswalds berühmtester Sohn das Licht
der Welt erblickte.

Inschrift auf der Friedrichschen Werkstatt
Das rückseitige Gebäude beherbergte
einst die Friedrichsche Seifensiederei und
Lichtgießerwerkstatt. Eine Inschrift in großen Lettern weißt
unübersehbar darauf hin. Heute befindet sich in dem alten
Backsteingemäuer das Caspar-David-Friedrich-Zentrum:

Neben diesem Gebäude ist auf einer
Häuserwand eine Kopie von Friedrichs Gemälde "Mondaufgang am Meer"
aufgetragen. Eine weitere malerische Anspielung auf
Friedrich erblickt man in der Stralsunder Straße gegenüber der
Tankstelle: Das Grafitto auf einem Häusergiebel zeigt auf der
rechten Seite eine mehr oder weniger präzise Imitation des Gemäldes "Die
Lebensstufen".

Doch zurück zur ehemaligen Werkstatt und
heutigem CDF-Zentrum: Wenn man nun einen Blick auf die ehemalige
Seifensiederei und
das daneben befindliche Gemälde geworfen hat, steht man schon im Schatten des Domes St.
Nikolai: Hier wurde der Maler 1774 getauft. Ein großer Teil
der Innenausstattung des Mittelschiffes wurde später von seinem
Bruder, dem Kunsttischler Christian Friedrich, geschaffen.
Am Marktplatz ist das Haus Nr. 10 noch von
besonderem Interesse. Lange bevor die Sparkasse einzog, hat hier
Friedrichs Bruder Heinrich gelebt. Das Aquarell "Der
Greifswalder Marktplatz" zeigt nichts anderes als einen
Blick aus diesem Hause auf den Marktplatz, den Caspar David 1818 während eines
Besuches in seiner Heimat mit dem Pinsel festhielt. Bei einem Vergleich mit dem heutigen Aussehen
des Greifswalder Marktplatzes wird man allerdings bemerken, dass
er sich seitdem etwas geändert hat:

2004
1818
Nun sind es nur noch wenige Schritte bis
zur Gemäldegalerie des Pommerschen
Landesmuseums: Dort
kann man neben dem schon erwähnten Aquarell und der
"Klosterruine Eldena im Riesengebirge" weitere Werke
des berühmten Malers bewundern.
Einen krönenden Abschluss
einer Friedrich-Entdeckungsreise bilden mit Sicherheit noch ein
Besuch der Klosterruine im Vorort Eldena und ein Blick auf den
Greifswalder Bodden. Wenn möglich, bitte bei Dämmerung...
© Andreas Reuter
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